Igelhilfe - aber richtig!

Wann braucht ein Igel menschliche Hilfe?

A. ) Igel sind hilfsbedürftig, wenn:

  • sie krank oder verletzt sind, das heißt wenn Igel lahmen, torkeln, sich bei Berührung nicht einrollen, übersät von Parasiten sind (wie Fliegen, Fliegen-Eier, Maden, Zecken), schreien, sich krümmen oder krampfen, auf der Seite liegen und die Beine von sich strecken, gelähmt sind (= Vitaminmangel) gebrochenes Bein (eingerollt steht das gebrochene Bein ab) Schwellungen, Beulen, Krusten im Stachelkleid oder Fell, husten, röcheln, Schleim an der Nase, trockene Nase, Kahlstellen im Stachelkleid oder Fell, Abszesse
  • Achtung: bei sichtbaren, offenen, blutenden Wunden den Igel SOFORT zu einem Tierarzt/Tierklinik bringen
  • Igel sich kalt anfühlen = die Bauchseite sollte deutlich warm sein, BITTE FÜHLEN SIE HIN ! bewegen sich kaum oder langsam
  • sie lang und schmal ausehen = so wie eine Wurst und nicht rund wie ein Ei  = das gilt von Baby- bis zum Erwachsenen Igel!
  • stark unterernährt sind  =  abgemagert, haben hervorstehende Hüftknochen, einen eingefallenen Bauch, breitere Schultern und einen schmalen Hals
  • eingefallene oder geschlossene Augen, Schlitzaugen haben, anstatt kugelige glänzende hervorstehende Augen
  • Baby-Igel (bis ca. 100 g) die nachweisbar Mutterlos sind = sich tagsüber außerhalb des Nestes befinden
  • Kleinigel (ca. 100 - 350g) die tagsüber sichtbar herumirren und nicht kugelig wie ein Ei aussehen = kommt häufig vor!
  • sie in der Sonne liegen
  • Anfang Oktober weniger als 300g wiegen
  • Anfang November weniger als 500g wiegen. Sichtbar: der Körperdurchmesser ohne Stachelkleid ist 10 cm (im Zweifelsfall mitnehmen wiegen, dann entweder behalten oder wieder dort aussetzen).
  • Igel nach Wintereinbruch tagsüber herumlaufen (sie haben kein ausreichendes Fettpolster anfressen können)
  • wenn sie vor dem warmen Frühjahr, also vor Ende März tagsüber rumlaufen, (dann ist ihr Fettvorrat für den Winterschlaf aufgebraucht und sie finden draußen noch keine Nahrung)
  • gefangen sind = aus eigener Kraft oder mangelder Körpergröße nicht wieder freikommen, z.B. Lichtschacht, Kellertreppe, Grube, hoher Bordstein ....

Bei einem oder mehreren dieser Anzeichen ist Hilfe notwendig. Bitte nehmen Sie den Igel mit nach Hause, in die Wärme, also erst einmal INS HAUS.

 

 

Wenn Sie sich doch nicht sicher sind, dann bringen Sie bitte den Igel zu einem Tierarzt der sich einen Überblick über den Gesamtzustand des Tieres verschafft. Igel werden dort in der Regel kostenlos behandelt. Tierheime beherrschen und leisten diese Einschätzung meist auch. Für Igel die im Kreis Reutlingen in Not geraten sind, ist das Tierheim Reutlingen zuständig, Telefon 071 21 / 144 806 94.

 

B.) Ansonsten gilt für hilfsbedürftige Igel: mit ein bißchen Engagement und gutem Willen kann jeder Finder selbst einen Igel auf Zeit selbst versorgen.


Und das geht ganz einfach so:

 

1. Das Igel-Futter:

  • Katzennassfutter mit einem hohen Rohfleischanteil zum Beispiel von ANIMONDA (über 65%)
  • Achtung: Kein (billig-) Nassfutter in Soße oder Gelee!
  • sowie Igel-Trockenfutter der Marke CLAUS oder WELZHOFER
  • Katzentrockenfutter: Für kleine Igel (bis ca. 250 g.) Babykatzen-Trockenfutter (z.B. von ROYAL CANIN "Mother & Child") und für größere Igel Trockenfutter für Erwachsene Katzen, möglichst mit hohem Fleischanteil.
  • das hat jeder zuhause: Eier! Rührei, nur mit Wasser ohne Öl aus einer Antihaftpfanne oder gekochtes Ei
  • über gekochtes Hühnerfleisch, Hühnerflügel und Hühnerknochen freut sich der Igel
  • vom Rind (gehackt oder fein geschnitten), kurz gekocht oder kurz gebraten, alles außer Leber.
  • als Getränk Wasser oder ungesüßter Fenchel- oder Kamillentee
  • niemals Milch reichen (Milch führt zu Blähungen und dadurch bis zum Tod)!
  • niemals Speisereste und Gewürztes geben
  • Seien Sie großzügig, lieber etwas zuviel als zu wenig, verschmutztes/älteres Futter wegwerfen

ACHTUNG: Ein unterkühlter, frierender Igel frisst nicht, auch wenn er hunrig ist, deshalb:

den Igel auf eine handwarme und mit einem Handtuch umwickelte Wärmeflasche legen und zudecken. Nachschauen, hinfühlen und prüfen! Erholt sich der Igel nicht innerhalb einer halben bis 1 Stunde, sollten Sie einen Tierarzt/Tierklinik aufsuchen.

 

Auch sonst gilt, wird der Igel in zu kalten Räumen oder draußen gehalten und er ist noch zu klein oder geschwächt, dann frisst er nicht!

 

 2. Igel beherbergen:

  • Ein Gehege aus einem Pappkarton, Plastikwanne oder ähnliches was Sie greifbar haben,  ca. 50 x 70 cm und 40 - 50 cm hoch oder gerne auch größer, dick ausgelegt mit Zeitungen. Ziel: ausbruchsicher! (Wird der Igel größer, kann z.B. ein weiterer Karton angebaut werden)
  • weiter ein Schlafhäuschen ca. 30 x 20 x 20 cm mit einem Eingangsloch ca. 10 x 10 cm, ausgelegt mit Zeitungen und mit reichlich Füllmaterial "gemütlich gestopft" = zerrupfte Zeitungen, Zewa und WC-Papier
  • 3 gut waschbare Schälchen, niedrig, schwer, nicht kippbar, 2 für das Futter (1 trocken/1 nass) und 1 Wasser
  • Oder was immer Sie auch gerade zur Verfügung haben was die Zwecke Auslauf, Schutz und schlafen erfüllt.
  • Natürliches, z.B. trockene Blätter liefern den Duft nach Natur und Beschäftigung während der Gefangenschaft.

"Ist der Notfall erst einmal behoben, kann und darf natürlich alles oben genannte verbessert, vergrößert oder ausgebaut werden!"

 

3. Die tägliche Arbeit:

  • jeden morgen das Zeitungspapier wechseln. Wer auch noch unterm Tag Kot entfernen kann, um so besser.
  • das Schläfhäuschen bitte auch kontrollieren!
  • Verschmutztes Futter und altes Nassfutter wegwerfen. Frisches Wasser geben
  • Näpfchen heiß waschen
  • anfangs den Igel täglich wiegen und das Gewicht aufschreiben, immer zur gleichen Zeit. Frisst der Igel gut, dann reicht es alle paar Tage, ihn zu wiegen.
  • abends Futter und Wasser geben
  • kleinen Igeln bis ca. 350g auch morgens Frischfutter anbieten, Trockenfutter und Wasser ganztags geben
  • tagsüber schläft der Igel bis auf kurze Wachphasen, bitte ihn dann in Ruhe lassen!
  • wer kann, tagsüber Futter/Wasser und Sauberkeit kontrollieren.

4. Wärme:

 

Je kleiner der Igel ist, desto sicherer benötigt er Wärme. Unter 350g-Igel bitte im warmen Zimmer halten. Später ist das Draußensein vom Monat, den Tages- und Nachttemperaturen und der Witterung abhängig.

 

Wichtig: Wildtiere sind niemals Kinderspielzeug!

 

Beratung und Hilfestellung zur Selbstversorgung eines Igels bekommen Sie sehr gerne von:

Waltraud Hoyer

Telefon: 071 27 .  319 17 (kein AB) Mo. - So. von 8 - 19 Uhr

E-Mail : waltraud.hoyer@gmx.de

 

BITTE: Im NOTFALL nicht erst lange warten sondern den Igel zum Tierarzt/Tierklinik bringen!

Oder ins Tierheim Reutlingen-Sondelfingen, Tel.: 07121 . 144 806 94, www.tierschutzverein-reutlingen.de

 

 

C.) Wissenswertes:


Igelbabys: von Geburt bis ca. 100 g Gewicht spricht man von einem Igelsäugling, der ohne die Mutter und Geschwister verhungert und erfriert. Igelbabys müssen mit dem Fläschchen gefüttert werden und zum Ausscheiden von Kot und Urin massiert werden. Dafür braucht es besondere Fähigkeiten und Zeit. Bitte suchen Sie Rat bei einem Tierarzt, Tierarzt, igelkundige Person, Fachliteratur z.B. www.pro-igel.de 

Igelbabys werden im August und September geboren, wobei die früher geborenen deutlich bessere Chancen

haben.

 

Kleine Igel ab ca. 100 - ca. 250 g: Sie sind nun von der Muttermilch entwöhnt und haben ein vollständiges Gebiss, fressen selbst und werden aktiv. Aber Achtung: ein kleiner Igel kann seine Körperwärme noch nicht selbst regulieren, er braucht noch die Wärme seiner Mutter und Geschwister. Wenn Sie ein solchen Igel finden der oben genannte Anzeichen zeigt, dann nehmen Sie ihn auf jeden Fall erst einmal ins Haus, in die Wärme!

 

 

 

Dieses Igelbaby hier wiegt 98 Gramm und ist etwa 10 cm lang. Gefunden am 1.10.2019 war das Igelchen am Bauch zu kühl und schmal und irrte tagsüber alleine mutterlos umher.

Die Finder sahen, wie Fliegen auf dem Winzling Eier ablegten!

1.- Hilfe: Kleintier-Transportbox dick ausgelegt mit Zewa, Wärmflasche in diesem Fall unter die Box, Rührei mit Katzennassfutter und Wasser in WECK-Glasdeckelchen, nach dem Foto wurde er wieder mit einem Frotteetüchlein zugedeckt. Beherbergt in der warmen Küche bei 19 - 22°C.

Fliegeneier: Diese werden mit einer Zahnbürste aus Stachelkleid und Fell gebürstet. Jede Hautfalte und jede Körperöffnung muss akriebisch kontrolliert werden! Dabei kann man gleich erkennen, ob der Igel Flöhe etc. hat.

Gegen Flöhe hilft Jacutin-Spray aus der Apotheke, Sprühabstand ca. 20 cm, nicht ins Gesicht!! Lieber wiederholen als zuviel auf einmal.

 

Welcher Igel gehört zum Aufpäppeln in ein Gehege im Haus, welcher Igel darf in ein Gehege im Freien:

das ist abhängig von der Jahreszeit, der aktuellen Witterung, dem Gesundheitszustand und dem Gewicht des Igels.

Je kleiner der Igel und je kälter es draußen ist, desto eher gehört er erst einmal ins Haus. 

Bei einer Haltung im Außengehege muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Futter gesichert ist. (z. B. vor Katzen. Unter einem umgedrehten Eimer mit eingelassenen Toraussschnitt so, dass außer dem Igel niemand reinschlüpfen kann)

 

Wie lange muss ein Igel gepäppelt werden?

Das ist abhängig vom Gewicht und dem Gesundheitszustand des einzelnen Tieres. Es können ein paar Tage, 2 oder 3 Wochen sein oder auch 8 Wochen oder mehr sein. Je später im Jahres, desto warscheinlich wird es nötig sein, den Igel in menschlicher Obhut an einem kalten, geschützten  Platz den Winterschlaf halten zu lassen.

 

Zurück in die Freiheit:

ist der Igel dann gesund, kräftig und gut genährt wird er umgehend freigelassen, möglichst an der Stelle an der Sie ihn gefunden haben - wenn dies als ein ungefährlicher Ort einzustufen ist.

 

Bitte denken Sie daran:

Gefangenschaft ist Streß für Wildtiere! Igel sind niemals Kinderspielzeug!

 

Nach dem Winterschlaf in menschlicher Obhut: den Igel LANGSAM wieder anfüttern. Niemals viel Futter auf einmal anbieten!

Weitersagen: Ein Igel, der richtig ernährt wird und ein gepflegtes Gehege und Schlafhäuschen hat, stinkt nicht!

Ein Igel kann also von jedermann problemlos auch in der Wohnung gehalten werden!

Ein Igel raschelt und kratzt nachts eventuell am Gehege um der Gefangenschaft zu entfliehen, das ist schon alles.

 

 

D.) Wenn Sie noch mehr über Igel erfahren wollen, empfehlenswert sind die Internet-Seiten von:

 

www.pro-igel.de


Hier gibt es unter anderem 10 kleinen Heftchen (St./je 40 Cent) in denen alles zu den wichtigsten Igelthemen steht.
Diese sind: 1 Wildtier Igel - 2 Gefahr erkannt - 3 Gefahr gebannt - 4 Unterschlupfe und Futterhäuser für Igel im Garten - 5 Ernährung hilfsbedürftiger Igel - 6 Aufzucht verwaister Igelbabys - 7 Hilfsbedürftige Igel im Herbst - 8 Winterschlaf in menschlicher Obhut - 9 Auswilderung - 10 Rechtsvorschriften
(oder kostenlos lesbar als PDF)

 

Das Wissen aus dem PRO IGEL Ringbuch "Igel in der Tierarztpraxis" sollte bei keinen interessierten Igelfreund fehlen.

 

Igelhilfe im ganzen Jahr für Tierfreunde

Unsere stacheligen Freunde können Sie schützen, indem Sie Ihren Garten naturnah gestalten und damit das ganze Jahr für geeigneten Lebensraum und Futter sorgen. Denn, wie andere Wildtierarten zieht es auch Igel aus der ausgeräumten Landschaft zunehmend in menschliche Siedlungen. Hier finden sie dann in naturnahen Gärten und Parkanlagen einen Lebensraum, Nahrung und Unterschlupf.

Die stacheligen Insektenfresser sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie verzehren hauptsächlich Laufkäfer, Larven, Insekten und auch Regenwürmer, Schnecken usw.

Fakt ist, ihre Hauptnahrung, Käfer verschwinden mehr und mehr aus der Natur und es wird für sie immer schwerer, draußen geeignete Nahrung zu finden. Zu viele oder nur noch Schnecken und Regenwürmer als Hauptfutter machen den Igel krank. Beide sind Träger von Parasiten, die sich im Igel zur Würmern entwickeln und schwere Krankheiten an Lunge und Darm auslösen - dies führt bis zum Tod, wenn dem Igel nicht geholfen wird.

 

Lebensgefahren für Igel

Wie Sie Gefahren vermeiden können:

  • mindestens von März bis November ab Dämmerung bis zur Morgenhelle vorsichtig mit dem Auto fahren!
  • Kellertreppen mit Zwischenstufen versehen = Steine auf die Stufen legen als eine Igeltreppe / Aufstieghilfe
  • Durst: Wassergefäße aufstellen, gerade bei anhaltender Trockenheit = Tierfreundpflicht. Steine hineinlegen, damit Insekten usw. nicht darin ertrinken. Täglich wechseln
  • Motorsensen achtsam in Gebüschnähe einsetzen! Unter jeder Hecke könnte ein Igel schlafen.
  • Mähroboter aus dem Garten verbannen!
  • Gifte aller Art aus dem Garten verbannen.
  • Offene Gärten! Damit der Igel nicht über die Straße laufen muss um weiter zu kommen
  • Mauern, Öffnungen schaffen zum Nachbarn
  • Zäune nur so tief ansetzen, dass ein Igel drunter durch gehen kann
  • Teiche sichern!
  • Lichtschächte absichern!
  • Vorsichtig sein bei größeren Gartenumgestaltungen an Hecken und Sträuchern, Schuppen o.ä.

Alle Fotos auf dieser Seite: NABU - Waltraud Hoyer