Die Dohle ist Vogel des Jahres 2012

 

Die Dohle gehört zur Familie der Rabenvögel. Seit 1986 - damals war es die Saatkrähe - war kein Mitglied dieser Familie mehr dran. Im Gegensatz zur Saatkrähe (es gab viel böses Blut und heftige Kritik!) genießt die Dohle jedoch allgemeine Sympathie, da sie in menschlicher Nähe recht zutraulich ist. Der Grund für die Wahl zum Vogel des Jahres ist wie fast immer der gleiche: Der Bestand allein in Baden-Württemberg ist seit 1960 um 80 Prozent eingebrochen. Zur Zeit gibt es bei uns noch 900 bis 1500 Brutpaare - wohlgemerkt in ganz Baden-Württemberg! - mit weiter sinkender Tendenz. Diese Restbestände konzentrieren sich im Raum Ellwangen (Ostalbkreis), im Raum Bühl (Ortenau) und in Oberschwaben.

Im Zuständigkeitsbereich unserer NABU-Gruppe gibt es nur noch an den Rutschenfelsen bei Bad Urach eine Kolonie aus 40 bis 50 Brutpaaren (bis 1960 waren es dort cirka 150). Im weiteren Umkreis sind uns aktuell noch folgende Vorkommen bekannt: Am Traifelbergfelsen bei Honau cirka 20 Brutpaare, als Gebäudebrüter auf dem Turm der Reutlinger Marienkirche und dem nahen Tübinger Tor sowie im Trochtelfinger Pulverturm und auf der Ruine Hohenerpfingen jeweils eine kleine Anzahl. Unbekannt sind die Gründe, warum eine ehemals 70 bis 80 Brutpaare umfassende Kolonie an der Burgruine Hohenwittlingen schon in den 60-er Jahren erloschen ist - trotz erkennbar gleichgebliebenen Bedingungen. Die größte in Baden-Württemberg bestehende Kolonie ist in der Tübinger Innenstadt mit dem Schwerpunkt auf dem kaum mehr benutzten Stadtfriedhof. 

 

  Foto: Wikipedia  Foto: Wikipedia   Foto: NABU-M.Vollborn   Foto: NABU-M.Roessner

 

Generell ist die Dohle in ganz Europa heimisch sowie im Norden von Marokko und Tunesien. Im Osten reicht ihr Verbreitungsgebiet bis ins westliche Asien. Der größte Teil der bei uns heimischen Dohlen sind Standvögel, zu denen sich im Winter Artgenossen aus Nord- und Osteuropa gesellen. Eine weitere Art ist die Alpendohle (oben links), gut erkennbar an ihrem rein schwarzen Gefieder, dem gelben Schnabel und den roten Beinen. Sie sieht man im Sommer fast an jeder bewirtschafteten Berghütte der Alpen, wogegen die "gewöhnlichen" Dohlen nicht in Höhenlagen über 1000 Meter  NN vorkommen. 

Hier einige weitere Informationen in Kürze:

Ernährung
Die Dohle sucht ihre Nahrung meistens am Boden. Sie besteht aus Insekten, anderen Wirbellosen, Sämereien, aber auch aus Eiern und Jungvögeln anderer Arten. In der Nähe menschlicher Siedlungen nimmt sie gerne Speisereste auf. Nahrungsmangel ist nicht ihr Hauptproblem.

Nistverhalten
Der Mangel an Nistmöglichkeiten ist der Grund für den starken Bestandsrückgang bei uns. Die Dohlen benötigen Höhlen aller Art, und eben diese sind vielerorts selten geworden. Hinzu kommt, dass sie gerne Kolonien bilden - und wo gibt es noch Hohlräume in alten Gebäuden, stillgelegten Kaminen, Gebäudenischen, Mauerlöchern, Kirchen und dergleichen und das in größerer Zahl? Im Wald nutzen Dohlen die Zweit- und Dritthöhlen von Schwarzspechten, in Ausnahmefällen auch alte Krähen- und Elsternnester. Es sollten dann aber mehrere solche Möglichkeiten im selben Gelände sein, weil Dohlen nicht gerne als Einzelpaare leben. Bei Störungen am Nest reagieren sie mit Verlassen der Brut - ein ganz wichtiger Hinweis für Fotografen!

Fortpflanzung und Sozialverhalten
Schon im ersten Lebensjahr sucht jede Dohle einen Partner bzw. eine Partnerin, die sich ein Leben lang treu bleiben; meist sieht man sie zusammen. Die Fortpflanzung beginnt jedoch erst im dritten Lebensjahr. Das aus drei bis sechs Eiern bestehende Gelege wird von beiden Partnern cirka 18 Tage bebrütet, die Jungen sind - je nach Ernährungszustand - nach 30 bis 35 Tagen flügge und werden, wie bei fast allen Vogelgattungen, noch eine Weile von den Eltern versorgt. Im übrigen haben Dohlenkolonien ein ausgeprägtes Sozialgefüge. Es wurde schon beobachtet, dass Brutpaare, wenn nötig, einander aushelfen und kranke Koloniemitglieder von anderen mit versorgt werden. (Den Wahrheitsgehalt dieses bei Vögeln untypischen Verhaltens können wir nicht prüfen.)

Was können wir für die Dohlen tun?
Nistmöglichkeiten schaffen! Unter www.nabu.de/dohle/dohlennistkasten.pdf gibt es eine Bauanleitung und viele Tipps. Wichtig ist, nicht einen einzelnen Nistkasten irgendwo aufzuhängen, sondern gleich mehrere. Beste Erfolgsaussichten hat man bei der Ergänzung vorhandener Nistmöglichkeiten durch weitere Nistkästen, zum Beispiel an alten Gebäuden, um die herum schon Dohlen leben, also vorhandenen Kolonien weitere Wohnmöglichkeiten zu bieten. In diesem Fall kann auch schon ein einzelner Kasten von Nutzen sein.